Essen fürs Klima

Wir brauchen eine Ernährungs- und Agrarwende!

Bis vor ein paar Jahren habe ich noch nicht sonderlich viel darüber nachgedacht, welche Folgen meine Ernährung auf das Klima hat. Heute weiß ich, dass unser Essen für ein Fünftel aller Treibhausgase weltweit verantwortlich ist.

Mit vegetarischer und v.a. veganer Ernährung können diese Emissionen um über die Hälfte reduziert werden. Einen großen Einfluss hat aber auch die Verwendung regionaler, saisonaler Produkte aus Bio-Landwirtschaft und möglichst unverpackt.
Durch unsere Ernährung haben wir also einen großen Teil der CO2-Emissionen selbst in der Hand. Zum Beispiel mit guten Vorsätzen für einen „Veganuary“, der Fastenzeit und neuen Gewohnheiten schaffen wir unsere persönliche Ernährungswende.

https://veganuary.com/de/

Doch die Verantwortung in diesem Bereich nur auf Verbraucher*innen zu schieben, wäre zu kurz gegriffen!

Unsere Ernährung wird v.a. durch das Angebot gesteuert. Vegetarische und vegane Ersatzprodukte sind zwar endlich auf dem Vormarsch, trotzdem bleibt klimafreundliche Ernährung weiterhin umständlicher und manchmal sogar teurer.

Wir brauchen gesundes und klimafreundliches Essen von Anfang an – das heißt bereits in den KiTas und Schulen, in den Mensen der Universitäten und in den Unternehmen.

Außerdem müssen alle Produkte so gekennzeichnet sein, dass für die Konsument*innen ersichtlich ist, was drin ist. Wir Grüne fordern eine Nährwertampel, die schnell und einfach den Energie-, Fett-, Zucker und Salzgehalt anzeigt. Außerdem muss transparent dargestellt werden, wo Produkte herkommen, wie viel Wasser das Produkt bei der Herstellung verbraucht, unter welchen Bedingungen Tiere gehalten werden und wie viele Emissionen dabei entstehen. Die Klimaschädlichkeit insbesondere von tierischen Produkten, sowie von Nahrungsmitteln mit weitem Transportweg muss sich auch im Preis widerspiegeln. Die industrielle Massentierhaltung mit ihren quälerischen Praktiken wie Küken-Schreddern, Amputationen und Mastqualen muss beendet werden, Tiere müssen artgerecht gehalten werden.

Ich persönlich sehe eine große Chance für die Agrar- und die Ernährungswende darin, wieder stärker auf regionale und saisonale Bio-Produktion zu setzen. Als Mitglied bei der solidarischen Landwirtschaft weiß ich, welche Gemüse- und Obstvielfalt auch mit heimischem Anbau ohne Pestizide und Überdüngung möglich ist. Ich finde es spannend zu sehen, wann welches Gemüse hier bei uns wächst und dementsprechend in den verschiedenen Jahreszeiten ganz unterschiedliche Gerichte zu kochen.

https://www.wir-haben-es-satt.de/

Solidarische Landwirtschaft bedeutet auch, die Landwirt*innen fair zu entlohnen. Wir brauchen eine andere Preispolitik bei Lebensmitteln, damit sich alle Menschen klimafreundliche Bio-Produkte leisten können. Die Gelder der EU müssen also umverteilt werden, sie dürfen sich nicht mehr nach der Größe von landwirtschaftlichen Betrieben, sondern müssen sich nach ökologischen Standards richten. Statt agrarindustriellen Fleischfabriken wird dann bäuerlich-ökologische Landwirtschaft gefördert.

Faire Bedingungen brauchen wir überall – laut Oxfam kommen von den Preisen für Bananen aus Ecuador oder Tee in Indien nur ca. 5% bei den Erzeuger*innen an. Durch fairen Handel, ein wirksames Lieferkettengesetz und ein Verbot für Spekulationen auf Lebensmittel müssen wir für mehr Klimagerechtigkeit sorgen. Denn diese Länder sind von den Folgen des Klimawandels besonders stark betroffen. Die Landwirtschaft ist nicht nur Täter, sondern auch Opfer der Klimakrise – auch bei uns in Deutschland.

Um die ganze Welt klimafreundlich ernähren zu können müssen wir auch die Lebensmittelverschwendung in den Griff bekommen. In Deutschland landen jährlich Lebensmittel im Wert von 6 Milliarden Euro in der Tonne. Weniger Lebensmittel zu verschwenden bedeutet den Geldbeutel und unsere Ressourcen zu schonen und Umweltschäden wie Bodenübernutzung und Treibhausgasemissionen zu vermeiden. Das kann z.B. gelingen, in dem wir das Mindesthaltbarkeitsdatum durch ein Verzehrdatum ersetzen, statt dem Lebensmittel-Retten das Lebensmittel-Wegwerfen bestrafen und Foodsharing fördern.

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