Meine Rede bei der Aufstellungsversammlung für die Direktkandidatur

Meine Rede bei der Aufstellungsversammlung für die Direktkandidatur am 22.10.20

Liebe Freundinnen und Freunde,

wir leben in einer Zeit großer Herausforderungen: Coronakrise, Digitalisierung, Wandel in der Arbeitswelt, verschiedenste Fluchtursachen weltweit, Artensterben und die Klimakrise. Die aktuelle Bundesregierung ist mit dieser Situation absolut überfordert.

Unsere Demokratie gerät ins Wanken, denn viele Menschen fühlen sich mit ihren Sorgen nicht mehr gehört und nicht mehr ernst genommen. Diesen Zustand kann ich nicht akzeptieren!
Ich will eine Zukunftsvision, die Mut macht und ein demokratisches System, das sich weiterentwickelt!

Corona macht das Ungleichgewicht zwischen mächtigen Konzernen und den eigentlichen Bedürfnissen der Bevölkerung noch deutlicher. Lufthansa bekommt Milliarden während Kleinkunst und Kultur eingehen und Pflegekräfte nach dem Applaus wieder im Stich gelassen werden.
Wir erleben außerdem nicht mehr nur eine Trennung zwischen Politik und Bürger*innen, sondern auch, dass die Gesellschaft bei vielen Themen in sich gespalten ist. Kaum jemand redet mehr mit Menschen außerhalb der eigenen Blase, die nicht die eigene Meinung teilen.

Ich will das Miteinandersprechen und sich gegenseitig Ernstnehmen wieder in den Mittelpunkt unserer Demokratie stellen.
Dafür brauchen wir verschiedene Methoden und Wege der Partizipation: Bürger*innenbudgets oder Planspiele in Städten und Landkreisen genauso wie bundesweite Bürger*innenräte.
Dabei müssen alle Bevölkerungsgruppen repräsentativ vertreten sein. Denn es geht ja darum die Vielfalt der Stimmen und Bedürfnisse zu berücksichtigen. Insbesondere junge Menschen sollen endlich gehört und ihre Ideen und Ziele ernsthaft verfolgt werden.

In Frankreich hat das Experiment „Klimarat“ große Erfolge erzielt. Hier waren Menschen aus allen Sektoren und Schichten beteiligt, die sich teilweise noch nie mit den Herausforderungen der Klimakrise beschäftigt haben. Dieser Bürger*innenrat hat gezeigt, dass die Zivilgesellschaft schon viel weiter ist als die Politik und sich traut mutige Entscheidungen zu treffen: Verbot aller Inlandsflüge ab 2025, Verbot von Werbung für klimaschädliche Produkte wie z.B. Autos, rein vegetarisches Essen in Kantinen, eine Klimasteuer, gezahlt von Wohlhabenden.

Solche Beteiligungsformate brauchen wir auch für generationenübergreifende Lösungen im Kampf gegen die Klimakrise!

Schaffen wir das nicht, bleiben wir bei unserem aktuellen System, indem mit Umweltverschmutzung, Ausbeutung und Kriegen Profit gemacht wird.
Das will ich umkehren! Lohnen muss sich doch die Biobäuerin von nebenan, das reparierbare Smartphone und die Energiegenossenschaft für Wind und Solar!

Ich will zu einem Wirtschaftssystem kommen, das zum Wohle aller Menschen beiträgt.
Ich will, dass Deutschland und Europa von „Treibern und Tätern“ zu Vorbildern für solidarische Klimapolitik werden.

Das 1,5 Grad-Ziel und damit die CO2-Neutralität bis 2035 zu erreichen, ist zwar extrem anspruchsvoll, aber es ist grundsätzlich möglich. Das hat die von Fridays for Future in Auftrag gegebene Studie des Wuppertal Institutes bestätigt. Und nichts Geringeres sollte unser Anspruch sein!

Zuerst will ich dafür alle klimaschädlichen Subventionen streichen. Das sind ca. 55 Mrd. Euro pro Jahr!
Fast die Hälfte davon kommt aus dem Bereich Verkehr z.B. durch die Pendler*innenpauschale, durch die Dieselsubventionen, und das obwohl das Auto klimaschädlich und unsozial ist.

Autos verbrauchen im Vergleich zu allen anderen Verkehrsmitteln pro Fahrgast den meisten Platz. Dabei sind Autos nicht mal für alle nutzbar – junge Menschen dürfen noch nicht, alte Menschen können nicht mehr Autofahren und arme Menschen können es sich nicht leisten. Und trotzdem werden immer noch weitere Autobahnen und Umgehungsstraßen gebaut und wertvolle Natur zerstört.
Schluss damit! Wir brauchen genau das Gegenteil: eine klimafreundliche Mobilität für alle!

Dafür müssen wir die Alternativen zum eigenen Auto fördern und vernetzen: Bahn, ÖPNV, Car-Sharing, Radfahren und Zufußgehen.
In ländlichen Gebieten sind viele Menschen mangels Alternativen aber noch auf das Auto angewiesen. In Städten haben sich viele an das Recht auf einen Parkplatz vor der Tür gewöhnt. Deshalb brauchen wir, neben dem Ausbau des Umweltverbunds, v.a. auch den Dialog über die Verkehrswende vor Ort, um gemeinsam neue Wege zu finden.

Neue Wege muss auch unsere Demokratie gehen. Unsere repräsentative Demokratie braucht eine echte Wahlrechtsreform. Und wir müssen sie mit Ansätzen der direkten Demokratie – z.B. bundesweiten Volksentscheiden, und Elementen der konsultativen Demokratie – also verschiedenen Beteiligungsformaten – verbinden.
Alle Menschen, die hier leben, sollen wählen dürfen, alle sollen Themen auf die politische Agenda setzen dürfen und ihre Ideen einbringen.
Dann kann Partizipation auch für eine neue Verbindung zur Politik, und für neuen Zusammenhalt in der Gesellschaft sorgen.

Der Kampf für eine klimagerechte Welt hat mein Leben in den letzten Jahren bestimmt: von der Gründung des Jugendparlaments in Höchstadt, der Wiederbelebung der Grünen Jugend in Erlangen, über die gemeinsame Organisation der ersten Fridays for Future Demos und zahlreiche aktive Wahlkämpfe, bis hin zum Jobwechsel.

Als Projektleiterin von „Nachhaltigkeit trifft Altstadt“, im Kreisvorstand der Grünen und als Stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Stadtrat übernehme ich bereits jetzt viel Verantwortung für den notwendigen Wandel vor Ort.
Politik als Möglichkeit zu gestalten und zu verändern, ist für mich zur obersten Priorität geworden.

Ich bin bereit, Zeit, Kraft und Nerven aber vor allem auch Herz, Hoffnung und Begeisterung in die Arbeit als Bundestagsabgeordnete zu stecken.
Ich will, dass alle Menschen vor dem Berg der Klimaherausforderung nicht verzweifeln, sondern ihn mutig hochsteigen und als Chance sehen.

Lasst uns gemeinsam die Menschen in unserem Wahlkreis von unseren Ideen für eine klimagerechte Zukunft überzeugen.
Wir Grüne sind das solidarische und ökologische Gegenbild zur rückwärtsgewandten CSU – Ich bin das Gegenbild zu Stefan Müller.

Werfen wir einen optimistischen Blick in die Zukunft, die alle mitgestalten können.

Packen wir’s an!

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