Warum ich doch nicht Lehrerin geworden bin…

Letztes Jahr im April 2019 habe ich mein Referendariat vorzeitig beendet. Nach über 7 Jahren Lehramtsstudium in Biologie, Chemie und in Sozialkunde habe ich den Entschluss gefasst, einen anderen Weg zu gehen.

Dafür gab es mehrere Gründe: zu wenig Zeit für politisches und gesellschaftliches Engagement, ich hatte nicht das Gefühl meine Ziele für politische Bildung und Umweltschutzbewusstsein umsetzen zu können und v.a. ist mir immer bewusster geworden, dass ich mich in dieses Bildungssystem nicht einfügen kann – ich will es verändern!

Wenn ich morgens in die 5. Klasse komme voller aufgeweckter und interessierter Kinder, meine Gedanken aber nur darum kreisen, dass ich heute noch 3 Noten machen muss und mit dem Stoff bis zu einem gewissen Punkt kommen muss – sonst kann ich das Schuljahr vergessen – dann läuft meiner Meinung nach einiges schief. Und zwar nicht unbedingt bei den Lehrmethoden. Der Fokus unserer Bildung ist meiner Meinung nach völlig falsch gesetzt. Alles dreht sich nur um Leistung!

Unter dem Druck leiden nicht nur die Schülerinnen und Schüler, sondern auch die Lehrkräfte, besonders in den Anfangsjahren. Bis heute konnte mir noch niemand richtig erklären, warum Referendar*innen so viel Zeit in die Konzeption von Unterrichtsstunden und Materialien stecken müssen. Warum gibt es kein deutschlandweites kostenloses Portal, auf dem sich alle Lehrkräfte vernetzen und gegenseitig von ihren Ideen profitieren? Der Arbeitsfokus von Lehrerinnen und Lehrern sollte doch darauf liegen, die Kinder möglichst gut individuell zu fördern und in ihrer Entwicklung zu begleiten.

Meiner Meinung nach sollte unser Ziel sein, dass die Jugendlichen am Ende ihrer Schulzeit wissen wo sie hinwollen, welche Interessen und Talente sie haben und wie sie diese entfalten können.

Wir brauchen also eine Bildung, die nicht nur auf Faktenwissen setzt, sondern auch auf Selbstkompetenz und Sozialkompetenz. Wir brauchen ein Bildungssystem, in dem die Entwicklung der Einzelnen im Vordergrund steht und dafür brauchen wir mehr Lehrkräfte, Sozialpädagog*innen und Erzieher*innen und wir brauchen mehr Zeit.

In Schulen und Kitas haben Kinder die Möglichkeit, die Vielfalt unserer Gesellschaft als Stärke kennenzulernen. Das bedeutet respektvoll miteinander umzugehen. Das bedeutet, Menschen für ihre Stärken zu schätzen und für ihre Schwächen nicht zu verurteilen. Das bedeutet sich selbst kennenzulernen und zu reflektieren, Stärken und Schwächen einschätzen zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Das bedeutet im Team zusammenzuarbeiten und alle in die kreative Lösungssuche miteinzubeziehen.

Aktuell haben neue Methoden und kreative Lernformen in Bayern noch keine guten Chancen. Anderswo in Deutschland gibt es bereits spannende Schulformen, die sich mit stärkerer Selbstbestimmung, gelebter Demokratie und Inklusion auf diesen Weg gemacht haben.

Ich möchte auf dieser Seite immer wieder Positivbeispiele vorstellen und aufzeigen, wo wir meiner Meinung nach hinmüssen. Dabei möchte ich nicht nur Gymnasien in den Blick nehmen, sondern alle Schulformen und auch Krippe und Kindergarten.

Es gibt viel zu tun auf dem Weg zur Bildungsgerechtigkeit!

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