Was bedeutet für mich Klimagerechtigkeit?

Wir Grüne kämpfen für einen neuen Aufbruch nach der Bundestagswahl.
Einen Aufbruch in die Zeit der Klimagerechtigkeit.

Klimagerechtigkeit

Was für ein großes Wort, das in den letzten 2 Jahren Teile der politischen Debatte, v.a. aber die Demos auf den Straßen geprägt hat. So groß, dass es gar nicht so leicht fällt zu beschreiben, was damit eigentlich genau gemeint ist.

Für mich wirkt Klimagerechtigkeit v.a. in diesen 5 Ebenen:

  1. Verursacherprinzip: Wer Emissionen verursacht und damit verheerende Klimafolgen produziert, muss auch für die Schäden aufkommen. Aktuell werden mit Umweltverschmutzung, Ausbeutung der Natur und gigantischen Emissionen immer noch immer mehr Gewinne gemacht und kaum berücksichtigt, dass 1 Tonne CO2 Schäden von rund 195 € verursacht.
  2. Klimaschutz darf kein Privileg für Wohlhabende sein, die im Bioladen einkaufen können und die es nicht weiter stört ihre Emissionen (z.B. beim Fliegen) durch Kompensation auszugleichen.
    Klimafreundliches Leben muss für alle möglich sein. Unser Ziel ist eine Wirtschaft, in der die nachhaltigsten Produkte auch die günstigsten sind. Außerdem stellen wir den Anspruch, die soziale Ungleichheit insgesamt zu bekämpfen und endlich für gleiche Lebensverhältnisse zu sorgen.
  3. Die globale Gerechtigkeitsperspektive: Es geht um die Herausforderung, einen Ausgleich zu schaffen, zwischen den Hauptverursacher*innen von CO2-Emissionen – pauschal gesagt: dem globalen Norden – und denen, die am meisten unter den Folgen leiden – im globalen Süden, weil Hitze, Trockenheit, steigender Meeresspiegel und Extremwetterereignisse sich hier in meist ärmeren Verhältnissen noch stärker auswirken. Hier sind Frauen übrigens häufig besonders betroffen (das wäre noch eine weitere Ebene).
    Dafür verfolgen wir eine ambitionierte, nachhaltige und menschenrechtskonforme Handels- und Klimaaußenpolitik, die insb. Afrika beim Ausbau der Erneuerbaren Energien und beim Schutz vor Klimaschäden unterstützen.
    Aber auch mit all unseren Anstrengungen wird es dazu kommen, dass einige Teile der Erde kaum, oder gar nicht mehr bewohnbar sind. Wir als Hauptverursacher*innen tragen die Verantwortung, den Menschen aus diesen Regionen eine neue Heimat zu geben. Das muss nicht bei uns sein, viele möchten lieber in einer vertrauteren Umgebung leben, aber eben sicher.
  4. Neben der globalen Perspektive gibt es die der Generationengerechtigkeit.
    „Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt“ – dieser Satz hört nie auf wahr zu sein. Wir leben auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen und mit Kreisläufen, die sich alle gegenseitig bedingen und auf die wir angewiesen sind. Die Zerstörung der Natur und damit der Artenvielfalt und die immer weiter steigenden Treibhausgasemission bringen diese Kreisläufe aus dem Gleichgewicht. Je länger wir immer mehr Emissionen verursachen, desto dramatischer werden die Folgen in der Zukunft.
    Die zukünftigen Generationen können nichts für unser Lebensstil „über die Verhältnisse hinaus“, aber sie sind es, die die Konsequenzen tragen müssen. Das Bundesverfassungsgericht hat uns in unserem Grundsatz bestätigt. Um die Sicherheit und v.a. Freiheit der jungen und zukünftigen Generationen zu wahren, müssen wir jetzt alles tun, um das 1,5 Grad-Ziel einzuhalten. Das heißt, jetzt zu investieren in den Ausbau der Erneuerbaren, in Bus, Bahn und Radinfrastruktur, klimaschädliche Subventionen zu streichen, die Wirtschaft klimaneutral umzubauen und Städte und Gemeinden mit Klimaanpassung auf die Folgen vorzubereiten. Der Kurs der Bundesregierung unter Angela Merkel war dafür nicht ausreichend.
  5. Die 5. und letzte Ebene ist die aktive Beteiligung der Bevölkerung an der Klimawende. Nur wenn Klimaschutz den Alltag der Menschen mitdenkt, alle mit im Blick hat, werden die Bündnisse für Klimaschutz auf Dauer stärker sein als die Bündnisse dagegen. Deshalb ist es mein und unser zentrales Anliegen, die Menschen mit ihren verschiedenen Ideen aber auch Sorgen und Nöten auf dem Weg zur Klimaneutralität mitzunehmen.
    Der Bürgerrat Klima hat gezeigt, wie das gelingen kann. 160 Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft, aus Großstädten und kleinen Gemeinden, alt und jung, verschiedenen Bildungsschichten und Berufen, mit Migrationshintergrund, mit umfassendem Wissen übers Klima oder ohne bisheriges Interesse dafür – sie sind in den letzten Monaten in 12 Sitzungen zusammengekommen, wurden auf den gleichen Wissensstand gebracht, haben über 50 Stunden diskutiert und am Ende ca. 80 Empfehlungen an die Politik formuliert, wie die Klimapolitik gestaltet werden sollte.
    Mit dem Instrument Bürger*innenräte geben wir unserer Demokratie eine neue zusätzliche Qualität: Menschen, die sich sonst nie begegnet wären, kommen zusammen, begegnen sich auf Augenhöhe, hören sich zu. Das schafft gegenseitiges Verständnis, Solidarität und Zusammenhalt in der Gesellschaft. Und gleichzeitig entstehen dabei neue und akzeptierte Lösungen für generationenübergreifende Herausforderungen.
    Dieses Format möchte ich stärken, weiterentwickeln und in unsere Demokratie als zusätzliches Element einbauen.

Diese Ebenen der Klimagerechtigkeit sind mein Anspruch an die Zukunft, das was mich antreibt Politik zu machen, um allen Menschen, auch denen, die noch nicht geboren sind, ein gutes Leben zu ermöglichen.

Die gute Nachricht ist auch: Investitionen in Klimaschutz lohnt sich auf mehreren Ebenen: sowohl wirtschaftlich, als auch für unsere Lebensqualität:

Wenn wir in den Ausbau der Bahn und des öffentlichen Nahverkehrs investieren, kommen Züge pünktlich und wir können uns entspannt zurücklehnen, statt genervt im Stau zu stehen. Eine Mobilitätsgarantie, also regelmäßige Anschlüsse insbesondere im ländlichen Raum ermöglichen auch Kindern, Menschen mit Mobilitätseinschränkung oder Menschen, die sich kein eigenes Auto leisten können, die volle und unabhängige Teilhabe an der Gesellschaft. Weniger Autos auf den Straßen, die langsamer fahren, sorgen für mehr Sicherheit im Verkehr, weniger Lärmbelästigung, saubere Luft und geben den Platz an die Menschen zurück, zum Spielen, zum Verweilen, zum sich Treffen.

So können wir von Klimagerechtigkeit profitieren, anstatt unter der Klimakrise zu leiden.

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